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Geposted von TheHotz,
Deutsche Counter-Strike-Spielerinnen sind auf der internationalen Bühne kaum zu finden. Wir haben mit der Singularity Esports Female-Spielerin Anne 'Lowlita' S. über die Szene und ihre Entwicklung gesprochen. Anne 'Lowlita' Starke ist eine der wenigen deutschen CS-Spielerinnen, die in einem internationalem Lineup spielt. Seit Januar dieses Jahres gehört die 24-jährige Studentin zum Roster von Singularity Female. Zu ihrem ihrem Team gehören drei Norwegerinnen und eine Niederländerin. 99Damage hat im Interview mit Lowlita über ihren Werdegang als Spielerin, über das Niveau von Frauen in Counter-Strike und ihre Ambitionen im E-Sport gesprochen.

99Damage: Anne, wann hast du mit mit Counter-Strike angefangen?


Lowlita: Ich bin tatsächlich im Vergleich zu vielen anderen noch ein richtiger Newbie in Counter-Strike. Ich habe erst im Alter von 18 Jahren angefangen, CS zu spielen. Davor habe ich lange Zeit Call of Duty gespielt. Doch irgendwann sind alle meine Freunde zu Counter-Strike gewechselt. Dadurch habe sich - sozusagen gezwungenermaßen - es irgendwann selbst gespielt.

Ich habe das Spiel am Anfang gehasst, weil es nicht einsteigerfreundlich ist. Inzwischen spiele ich fast ausschließlich Counter-Strike. Nachdem ich zu Beginn nur mit Freunden gespielt habe, bin ich ziemlich schnell auch in die kompetitive Szene eingetaucht.




99Damage: Dein Team Singularity ist ein bunter Mix aus europäischen Spielerinnen. Wie habt ihr euch zusammengefunden?


Lowlita: Wir haben tatsächlich alle bereits irgendwie schon mal zusammengespielt. In meinem vorherigen Team waren Esmee 'Psycho' Pauw, Marita 'aurora' Lyngdal und Matilde ‚mattye‘ Wiik dabei.

Matilde 'mattye' Wiik und Marita 'Minnie' Sørensen haben nach neuen Spielerinnen gesucht und so sind wir dazu gekommen. Uns war es sehr wichtig, drei Norwegerinnen im Team zu haben, um an Turnieren wie den WESG teilnehmen zu können. Die WESG hat im vergangenen Jahr die Regeln geändert, sodass immer mindestens drei SpielerInnen aus einem Land in einem Team spielen müssen.


99Damage: Welches war dein erstes Team?


Lowlita: Das erste Team, dem ich vor etwa fünf Jahren beigetreten bin, war das deutsche Female-Team Amorph. Danach habe ich bei weiteren Teams gespielt, bis ich schließlich bei Singularity gelandet bin.




99Damage: Du kannst erstaunlicherweise fünf Sprachen sprechen. Hilft dir das beim Counter-Strike spielen in internationalen Lineups?


Lowlita: Klar hat mir das geholfen und hilft mir auch im aktuellen Lineup. Bevor wir Psycho zurückgeholt haben, spielten wir mit vier Norwegerinnen und sprachen somit auch norwegisch im TeamSpeak. Ich gab dann einfache Calls auf Norwegisch und konnte fast alles verstehen.

Wenn es allerdings um schwierige Situationen und Erklärungen ging, habe ich Englisch gesprochen. Sonst hatte ich bisher nur Englisch- oder deutschsprachige Teams.


99Damage: Neben deinem Engagement als CS-Spielerin studierst du Kommunikationswissenschaft. Möchtest du nach deinem Studium dich mehr auf Counter-Strike und E-Sport konzentrieren oder strebst du einen "normalen" Beruf an?


Lowlita: Ich kann mir beides vorstellen. Ich möchte mir auf jeden Fall eine Zukunft außerhalb des E-Sport aufbauen. Einem Job im E-Sport bin ich aber nicht abgeneigt. Ich möchte allerdings auf keinen Fall darauf setzen, dass ich vielleicht irgendwann mit meinem Team genug Geld verdiene, damit es zum Leben reicht.

Selbst wenn man es schafft, sein Leben mit Counter-Strike zu finanzieren, ist es meiner Meinung nach nie eine sichere Sache. Deswegen möchte ich auch weiterhin beides weiterfolgen. Ich studiere deshalb Vollzeit und spiele nebenbei Counter-Strike. Es ist zwar manchmal etwas anstrengend, aber ich glaube, dass ich beides gleichzeitig auf die Reihe bekomme, solange ich mir die Zeit entsprechend frei mache.




99Damage: Mit jedem Jahr wachsen Preisgelder und Zuschauerzahlen im E-Sport. Warum gibt es in der weiblichen CS-Szene diese Entwicklung nicht?


Lowlita: Ich habe eher das Gefühl, dass es immer mehr Teams in der weiblichen CS-Szene gibt. Vielleicht ist das aber auch nur aus meiner Sicht so. Mit Blick auf die deutschen Organisationen lohnt es sich wahrscheinlich einfach nicht, beziehungsweise haben viele Orgas nicht das Budget dafür.

Ich hatte auch Teams in Deutschland kontaktiert, als ich eine Orga gesucht habe. Meistens gibt es einfach kein Budget, um weibliche Teams zu Events zu schicken. Vor allem wenn es bereits ein Main-Team gibt.

Außerdem sind die meisten Organisationen an Lineups interessiert sind, die aus dem gleichen Land kommen. Deutsche Orgas sind dementsprechend eher an deutschen Lineups interessiert, von denen es aktuell schlichtweg nur wenige gibt. Die weiblichen Teams in Deutschland können aktuell leider nicht mit den besten Teams der Welt mithalten.


99Damage: Warum ist das so?


Lowlita: Mal abgesehen von biologischen Faktoren, die im E-Sport deutlich weniger Einfluss haben als im „normalen“ Sport, gibt es einfach deutlich mehr Spieler als Spielerinnen. Die Szene ist einfach im Vergleich zu den Männern deutlich kleiner und daher gibt es auch einen kleineren Pool an Spielerinnen, aus denen man wählen kann.


99Damage: Was muss passieren, damit weibliche Teams besser mit Männern mithalten können?


Lowlita: Es wäre ein guter Anfang, Female-Teams und auch Mixed-Teams zu unterstützen. Solange Frauen keinen Anreiz darin sehen, auch kompetitiv zu spielen, wird es immer schwierig sein, neue Spielerinnen zu motivieren. Deshalb finde ich es auch gut, dass es Female-Turniere gibt. Wenn man das beibehält, sollte sich die Szene in die richtige Richtung weiterentwickeln.




99Damage: Wird es ein weibliches Team geben, das es zum Major schafft und sogar um den Titel mitspielen kann?


Lowlita: Vielleicht irgendwann, aber nicht in absehbarer Zeit. Der Skill-Gap ist aktuell einfach viel zu groß. Es wird eher passieren wird, dass eine einzelne weibliche Spielerin ein Major spielt, weil sie als Talent entdeckt wird und zusammen mit einem männlichen Team auf ein Turnier fährt.


99Damage: Das DreamHack Showdown Event und die Intel Challenge in Katowice sind spezielle Turniere. Was hälst du von solchen Events, an denen nur Frauen teilnehmen dürfen?


Lowlita: Ich finde es positiv, dass es solche Events gibt. Allerdings sollte man als weibliches Team nicht davon reden, dass man über die weibliche Szene hinaus möchte, wenn man nur diese Turniere spielt. Um sich langfristig zu verbessern, muss man auch Events gegen Männer spielen.


99Damage: Würdest du gerne in einem Mixed-Team spielen?


Lowlita: Es wäre eine Option für mich, aber momentan reicht auch bei mir der Skill dafür nicht aus. Ich setze mir kleine Ziele und möchte erst einmal an die Spitze der weiblichen Szene kommen. Wenn ich da angekommen bin, kann ich den nächsten Schritt planen.

Um aber irgendwann in einem männlichen Top-Team spielen zu können, brauche ich noch viel Zeit, um mich weiter zu entwickeln. Ich gehe das lieber Step-by-Step an und setze mir kleine Ziele, statt von großen zu träumen.




99Damage: Wie sieht bei Euch ein normaler Trainingstag aus?


Lowlita: Momentan machen wir viel Theorie auf dem Server, weil wir Grundlagen trainieren. Bis zu den Copenhagen Games dieses Jahr wollen wir einen soliden Map-Pool zur Verfügung haben. Sonst ist das Training so strukturiert, dass das Team eine Weile auf dem Server verbringt und dann noch zwei bis drei Scrims spielt.

Das hängt davon ab, ob ein Offical bevorsteht. Aktuell spielen wir in der ESEA Open und haben auch in der Fragleague Norway gespielt. Momentan noch viel Theorie, aber in ein paar Wochen werden wir wahrscheinlich auch wieder mehr spielen.


99Damage: Du hast zu Beginn erwähnt, dass du erst spät angefangen hast CS zu spielen. Hattest du irgendwelche Vorbilder oder Idole als du angefangen hast zu spielen?


Lowlita: Als ich angefangen habe, wusste ich noch gar nichts über die kompetitive Szene. Das hat sich dann erst so ergeben als ich mich eingefunden haben. Ich habe zwar keine richtigen Idole, aber mein Lieblingsteam ist immer noch Astralis, da die Jungs einfach gutes CS spielen. Ich schaue mir gerne Spiele und Demos von Astralis an.


99Damage: Welche Events stehen für euch als nächstes an?


Lowlita: Wir dachten eigentlich, dass es dieses Jahr im Rahmen der IEM Katowice wieder eine Intel Challenge geben wird. Doch das gibt es leider nicht. Deshalb wird unser nächstes LAN-Event erst die Copenhagen Games im April sein. Vorher werden wir noch ein gemeinsames Bootcamp veranstalten und im Sommer ist dann unter anderem die BYOC-LAN der DreamHack Summer geplant.

Ein bisschen problematisch ist, dass wir nicht alle Qualifier spielen dürfen, da bereits das Hauptteam von Singularity teilnimmt. Bei den Major-Qualifiern gab es beispielsweise die Regelung, dass nur ein Team pro Organisation antreten darf.


Foto: lowlita

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