Geposted von Jerrow1337,
Von Superstars über Major-Titel bis zu Roster-Shuffles: Frankreich blickt auf eine turbulente Zeit in CS:GO zurück. Vor dem BLAST.tv Paris Major 2023 lässt 99Damage die komplexe Geschichte einer einst starken CS-Nation Revue passieren. Das anstehende BLAST.tv Paris Major 2023 ist nicht nur das letzte CS:GO-Major der Geschichte, sondern gleichzeitig das erste und einzige auf französischem Boden. Mit zwei Major-Titeln und zahlreichen Star-Spielern hat Frankreich als Nation seinen Platz in der Geschichte sicher, wenngleich die größten Erfolge viele Jahre zurückliegen. 99Damage blickt auf die komplexe von Roster-Shuffles dominierte Geschichte einer einst sehr erfolgreichen CS-Region.

VeryGames - NiPs einzige Konkurrenz



Der Beginn von CS:GO-E-Sport war durch das Zögern von Teams und Spielern bestimmt. Viele namhafte Organisationen und Nationen verschliefen den Wechsel auf den neuesten Counter-Strike-Ableger, sodass die Anfangszeit vor allem von der Dominanz der Ninjas in Pyjamas geprägt war. Das Team um CS-Legende Patrik 'f0rest' Lindberg hatte jedoch ein Team als Widersacher, das den Schweden als einziges gewachsen schien: Team VeryGames.

VeryGames war zu dem Zeitpunkt kein unbekannter Name. Das Team hatte sich in Counter-Strike: Source als Top-Team etabliert und beherbergte mit Spielern wie Cédric 'RpK' Guipouy und Edouard 'SmithZz' Dubourdeaux einige der besten Source-Spieler aller Zeiten. In der Folge entwickelte sich die wohl erste Rivalität der CS:GO-Geschichte, in der NiP dennoch die Überhand behielt. Viele Spieler argumentierten, darunter Nathan 'NBK-' Schmitt, dass CS:GO näher an CS 1.6 als Source dran war, was dem legendären NiP-Lineup in die Karten spielte.



Individuell bot das Team sowie die französische-belgische Szene ernormes Potenzial. Neben Spielern wie Richard 'shox' Papillon und Adil 'ScreaM' Benrlitom sorgte auch ein junger aufstrebender AWP-Spieler namens Kenny 'kennyS' Schrub für Aufsehen, der mit seinem agressiven Playstyle gepaart mit blitzschnellen Reaktionen die Gegenseite oft zur Verzweiflung brachte.

Doch nahm die aus heutiger Sicht mit Dramen gespickte französische CS-Geschichte bereits hier seinen Lauf, als kennyS Mitte 2013 von Team VeryGames gekickt wurde und sich parallel mehrere französische Teams auftaten. Es war das erste Vorbeben der zahlreichen Roster-Shuffles, die die französische Szene in den Folgejahren nicht zur Ruhe kommen ließen.

Frankreichs interner Kampf um die Spitze



Die Stärke der französischen Szene wurde bereits beim ersten Major DreamHack Winter 2013 deutlich. Mit 14 Spielern (davon zwei aus Belgien) stellte Frankreich die drittstärkste Nation des Majors nach Dänemark und Schweden und bot mit VeryGames, Clan Mystik und Recursive eSports gleich drei Teams mit potenziellen Star-Spielern wie shox, kennyS und apEX. Jene Lineups sollten die Grundlage für die späteren Roster-Shuffles liefern.



Während andere Nationen in der Spielerstärke stark abbauten, stellten Frankreich und Belgien bei den kommenden zwei Majors EMS One Katowice 2014 und ESL One Cologne 2014 die fast identischen 14 Spieler und waren in Köln sogar die am stärksten vertretene Nationen. LDLC.com schaffte zwei Mal gute Playoff-Runs, jedoch waberten bereits dort Gerüchte um mögliche Spielerwechsel durch den Raum, um die besten französischen Spieler unter dem gleichen Banner zu vereinen.

Im September 2014 kam es schließlich zum ersten Roster-Shuffle, der jedoch nur kurze Zeit später durch den ersten Cheating-Skandal der CS:GO-Geschichte überschattet wurde. Nachdem LDLC, ex-Titan eSports und Epsilon eSports kräftig die Spieler ausgetauscht hatten, wurden nur eine Woche vor Start des DreamHack Winter 2014-Majors mit Hovik 'KQLY' Tovmassian und Gordon 'Sf' Giry für Cheating gebannt. Im Anschluss hatte die französische Szene mit den Konsequenzen zu kämpfen. Sowohl Sfs Team Epsilon als auch Titan wurden von Valve nachträglich disqualifiziert, sodass sich die französische Szene als eigentlich stärkste Nation mit nur einem Team vertreten sah.



Trotz schlechter Vorzeichen sollte die DreamHack Winter der erste Major-Erfolg für Frankreich werden. Mastermind Vincent 'Happy' Schopenhauer führte sein Team zum 2:1-Finalsieg gegen NiP und konnte dabei auch auf die überragenden Leistungen seines Star-Spielers Richard 'shox' Papillon bauen, der bereits seit dem Vorjahr als bester Rifler seines Landes galt. Berühmt auch LDLCs-Rolle im berühmten Olofboost-Skandal, als die Franzosen trotz eigentlicher verlorener Map von Fnatic den Sieg zugesprochen kamen.

Der Anfang vom Ende - Der dritte Roster-Shuffle



Trotz des großen Erfolges nahm das französische Drama weiter seinen Lauf. Persönliche Differenzen, insbesondere zwischen shox und NBK-, führten zu Spannungen innerhalb und zwischen den Teams, sodass im Juli 2015 der zweite große Shuffle zwischen Team EnVy als ehemaliges LDLC-Lineup und Titan anstand. Während Titan bereits im Januar 2016 aufgrund finanzieller Probleme den Betrieb einstellte, konnte Envy mit der DreamHack Cluj-Napoca 2015 den zweiten Major-Erfolg einfahren. Doch auf dem Höhepunkt angelangt, nahm der langsame aber stetige Abstieg der französischen CS-Szene als mit beste Nation seinen Lauf.



Enttäuschende Resultate bei der MLG Columbus 2016, den ESL One Cologne 2017 und dem ELEAGUE Major 2017 sowohl von Team EnVy als auch G2 Esports führten zum dritten französischen Shuffle und dem erneuten Versuch, das individuelle Potenzial der französischen Spieler unter einem Banner zu vereinen. Im neuformierten G2-Lineup, das erstmals shox und kennyS im selben Team einte, sahen Experten das größte Potenzial aller Teams, doch konnte das Team den hohen Ansprüchen selten gerecht werden.

Erfolge erzielte das Team bei der ESL Pro League Season #5 und den DreamHack Masters Malmö 2017, allerdings war man von einst dominanten Zeiten weit entfernt. Erneut führten Differenzen zwischen shox und NBK- zu zahlreichen Wechseln, sodass beinahe alle namhaften französischen CS:GO-Spieler zu verschiedenen Zeitpunkten bei G2 aufliefen. Eine französische Ära blieb aus, während andere Nationen wie Brasilien und Dänemark die internationale Spitze dominierten.



Superstar ZywOo - Die One-Man-Army Frankreichs



Ende 2018 folgt schließlich der finale Shuffle. Mit Team Vitality wird erneut ein französisches Roster aus dem Boden gestampft, das künftig in der internationalen Spitze mithalten soll. Erneut setzt man auf alte Gesichter wie apEX, NBK- und Happy sowie eines der wenigen vielversprechenden Talente der Szene: Mathieu 'ZywOo' Herbaut. Als einziges konkurrenzfähiges französisches Team konnte Vitality zwar einige Titel gewinnen, jedoch wird das Lineup nicht zuletzt durch den individuellen Skill von Superstar ZywOo getragen, der sich in den Folgejahren neben Oleksandr 's1mple' Olehovych Kostyliev zum besten Spieler der Welt entwickelt.

Beinahe fünf Jahre in die Gegenwart gesprungen ist Frankreich von den einst starken Zeiten weit entfernt. Dramen und Roster-Shuffles behinderten oft die volle Entfaltung des Potenzials, sodass die glorreichen Zeiten mit zwei Major-Titeln viele Jahre zurückliegen. War man beim ersten Major noch mit 14 Spielern vertreten, werden beim finalen CS:GO-Major mit apEX und ZywOo nur zwei Franzosen vor heimischer Kulisse antreten. Richard 'shox' Papillon scheiterte mit seinem Projekt Nakama, für das er Altmeister Edouard 'SmithZz' Dubourdeaux nach fünf Jahren Abstinenz aus dem Ruhestand holte. NBK- und der ebenfalls wiedergekehrte kennyS unterlagen mit Team Falcons im RMR Decider Bracket BIG.



Trotz vieler Unebenheiten hat Frankreich sein unumstößliches Vermächtnis in CS:GO, das zahlreiche Turniererfolge und mit shox, kennyS und ZywOo einige der besten CS:GO-Spieler aller Zeiten hervorgebracht hat. Als derzeitiger Superstar und Zugpferd ist ZywOo sowohl Gegenwart als auch Zukunft der französischen Szene. Ein Sieg Vitalitys wäre ein versöhnliches Ende der französischen CS:GO-Geschichte und gleichzeitig guter Ausgangspunkt, um in CS2 an alte Zeiten anknüpfen zu können.

Fotomontage: PGL/VaKarM/EPICENTER/Helena Kristiansson

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