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Astralis verpasst das BLAST.tv Paris Major 2023 und somit das zweite Groß-Event in Folge. Trotzdem wird die dänische Organisation als Major-Rekordsieger in die CS:GO-Geschichte eingehen. Nicolai 'dev1ce' Reedtz sitzt lethargisch im Gaming-Stuhl. Entgeisterte Gesichter seiner konsternierten Teamkollegen prägen das Geschehen des BLAST.tv Paris Major 2023: European RMR B am Donnerstag. Über zwei Jahre läuft die dänische Organisation ihren Ansprüchen mittlerweile hinterher. Zum zweiten Mal in Folge muss Astralis ein Major-Event von zu Hause aus verfolgen.

Dritte Niederlage bedeutet vorzeitiges Aus



Das einst beste Team der Welt hat am Donnerstag das Viertrunden-Match gegen die Ninjas in Pyjamas klar mit 0:2 verloren und damit keine Chance mehr auf das letzte CS:GO-Major-Event in Paris. "Das tut weh", sagte der sportliche Leiter, Kasper Hvidt, nach dem Spiel. "Es gibt nichts, was wir lieber tun würden, als ein Teil der CS:GO-Feier beim letzten Major zu sein." Es ist das unrühmliche Ende der einstigen Überflieger, die nicht noch einmal die Möglichkeit bekommen, einen ohnehin als unrealistisch erscheinenden fünften Titel zu gewinnen.

Auf heimischem Boden in Kopenhagen mussten Andreas 'Xyp9x' Højsleth und Co. am Donnerstag eine bittere Schlappe einstecken: Gegen NiP hagelte es zunächst auf Nuke eine 4:16-Pleite, anschließend folgte ein 11:16 auf Vertigo. Lediglich dev1ce konnte mit dem Gegner mithalten, der Rest des Teams wirkte klar unterlegen. Vor allem die schwachen T-Runden betonten einmal mehr, dass Astralis nur noch ein Schatten seiner selbst ist.



Bereits zum Start des RMR B verloren die Dänen ihre Best-of-Ones gegen Team Vitality und Eternal Fire. Zwar erkämpften sie sich in der dritten Runde gegen Team Spirit einen 2:1-Sieg, mussten aber auch in diesem Match die erste Map abgeben. Sichtbare Besserung im Spiel gab dieser Triumph jedoch nicht.

Mit der Pleite gegen NiP landete Astralis auf dem Boden der Tatsachen und verpasst nach dem IEM Rio Major 2022 auch das Event in der französischen Hauptstadt. Obwohl mit dev1ce, Xyp9x und Lukas 'gla1ve' Egholm Rossander weiterhin vier Major-Routiniers im Team aktiv sind, gehört dieses nicht mehr ansatzweise zu den besten der Welt.

Ära endet mit Auszeiten der Profis



Der letzte große Triumph datiert aus dem Jahr 2019, als die Dänen das StarLadder Major Berlin 2019 gewannen und damit den vierten Major-Sieg einfuhren. Astralis galt als das beste Team der Welt, das sich so akribisch wie kein anderes auf die Events vorbereitete. Allerdings hatte das intensive Programm auch seine Schattenseiten.

Während der Online-Ära, die durch die Corona-Pandemie erzwungen wurde, gaben gla1ve und Xyp9x zu, dass sie eine Pause brauchen. Sowohl der Ingame-Leader als auch der damalige "Clutch-Minister" zogen sich im Frühjahr 2020 aufgrund von Stress und Burnout zurück. Astralis wurde zudem in den sozialen Netzwerken vorgeworfen, die Spieler zu verheizen.



Seit diesen Unterbrechungen kam ein Bruch in das Teamgefüge. Zwar waren diese Pausen bitter nötig, was auch das Astralis-Management schließlich einräumte. Nicht umsonst fügte die Organisation als eine der ersten überhaupt einen sechsten Spieler zum Main-Lineup hinzu, um für mehr Entlastung zu sorgen. Das Team rehabilitierte sich kurzzeitig und gewann die IEM Global Challenge 2020 im Dezember mit einem 3:0-Erfolg im Finale gegen den damaligen Erzrivalen Team Liquid.



Doch die erfolgreichen Zeiten änderten sich spätestens dann, als dev1ce im April 2021 das Team verließ und sich NiP anschloss. Philip 'Lucky' Ewald konnte den Weltklassespieler nicht ersetzen, Astralis verlor den Anschluss an die CS:GO-Spitze.

Nachdem das Team die Playoffs des PGL Major Stockholm 2021 klar verpasste, trennte sich die Organisation von Emil 'Magisk' Hoffmann Reif und Peter 'dupreeh' Rothmann Rasmussen, die wenig später mit Coach Danny 'zonic' Selim Sørensen bei Team Vitality anheuerten. Seit diesem Umbruch rutschte Astralis in der Weltrangliste aus den Top 10 und gewann kein namhaftes Turnier mehr.

Astralis bleibt Major-Rekordsieger



Die Astralis-Ära wird trotz des unrühmlichen Endes als die größte in der Geschichte von Counter-Strike: Global Offensive eingehen. Vier Major-Turniere gewannen die Dänen insgesamt. Ihren endgültigen Durchbruch feierten sie mit dem Titel beim ELEAGUE Major 2017. Es folgten drei Major-Siege in Folge zwischen 2018 und 2019. Nach dem FACEIT Major London 2018 gewannen dev1ce und Co. die IEM Katowice 2019 und das StarLadder Berlin Major 2019.



Mit dem Triumph in der deutschen Hauptstadt überholte Astralis den einstigen Rekordhalter Fnatic, der zwischen 2013 und 2015 drei Major-Siege gefeiert hatte. Fnatic hat sich für das letzte CS:GO-Major in Paris qualifiziert und könnte mit einem Triumph auf vier Titel nachziehen und sich diesen Rekord mit Astralis teilen.

Ansonsten existiert keine andere Organisation in CS:GO, die mehr als ein Major gewonnen hat. Somit bleibt trotz der großen Enttäuschung im RMR B zumindest der positive Rückblick für Astralis auf eine dominante Zeit. In der erfolgreichen Ära belegten die Dänen von April 2018 bis Mai 2019 den ersten Platz der HLTV-Weltrangliste.

Bildquelle: Astralis/Twitter

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