Geposted von w1zzyy,
Spiidi hat die Trennung schnell verdaut
99Damage: Hallo Spiidi, Ende Juli sind Sprout und du nach viereinhalb Jahren getrennte Wege gegangen. Wie lange hat es gedauert, diesen Abschied zu verdauen?
Spiidi: Ich bin da immer relativ schnell wieder auf den Beinen. Direkt danach war die ESL One Cologne, insofern konnte ich mich an dem Tag, als ich es erfahren habe, gut ablenken und mit vielen Leuten darüber reden. Das hat schon sehr geholfen. Deshalb kann ich nicht ganz genau sagen, wann ich es verdaut habe, aber es ging auf jeden Fall relativ zügig.
99Damage: Für die einen kam der Schritt überraschend, für andere war er lange überfällig. Was entgegnest du jenen, die Letzteres meinten?
Spiidi: Jeder darf kritisieren, was er will. Da muss ich nicht gegenhalten. Ich würde sagen, es ist okay, wie es zu Ende gegangen ist. Rational gesehen, hat es Sinn gemacht. Es wurde ein Umbruch vollzogen, man konnte mich gegen einen jüngeren Spieler austauschen und daher ist das auch für mich verständlich. Ich denke aber, dass ich immer noch liefern kann und bin auch entsprechend von mir überzeugt. Das will ich auch wieder auf dem Server zeigen.
99Damage: Wenn du auf deine lange Zeit bei Sprout zurückblickst: Gibt es etwas, dass du bereust oder du anders machen würdest?
Spiidi: Ich glaube nicht. Meine Philosophie im Leben ist, dass ich nichts bereuen will. Selbst wenn Sachen passiert sind, die ich hätte anders machen können, hat es mich am Ende auch weitergebracht. Ich habe aus den Fehlern gelernt.
Das erste Major mit Sprout bleibt für Spiidi unvergessen
99Damage: Was unterscheidet den heutigen Spiidi von dem im Dezember 2017?
Spiidi: Der Spiidi von heute ist deutlich reifer, deutlich konsequenter und hat mehr Plan von dem, was er machen will und kann. Er fühlt sich auf jeden Fall deutlich sicherer.
99Damage: An welche Erlebnisse aus den vergangenen fast fünf Jahren erinnerst du dich am liebsten zurück?
Spiidi: Woran ich mich eigentlich immer sehr gern erinnere, ist das erste Major mit Sprout. Wir haben nicht gut performt, aber es wurde im Endeffekt auch so von allen erwartet. Damals hieß es, Sprout werde nicht lange halten und sogar das Logo wurde kritisiert. Der Hate war wirklich groß. Und heute gibt es Sprout immer noch, das Team steht in den Top 20 der Welt und auch die Organisation hat sich sehr gut entwickelt.
99Damage: Wie geht man als junges Team mit diesem Hate um?
Spiidi: Da es jetzt nicht die erste Station war, wo viel gehatet wurde, war ich das gewohnt. Natürlich ist es nie gut, aber ich persönlich kann inzwischen damit umgehen. Ich habe während dieser Zeit irgendwann aufgehört Kommentare zu lesen, sei es bei 99Damage, HLTV oder in irgendwelchen Foren. Da habe ich sicherlich seit zwei, drei Jahren nicht mehr reingeschaut und das tut mir auch gut. Klar liest du auch mal nette Sachen, aber hauptsächlich schreiben die Leute sehr schlechte Dinge. Deshalb gehe ich am besten damit um, indem ich es wirklich gezielt ignoriere und es gar nicht erst lese.
99Damage: Hast du nach deinem Aus bei den Sprösslingen jemals daran gedacht, die Maus an den Nagel zu hängen?
Spiidi: Tatsächlich nicht. Mir war eigentlich direkt klar, ich will weiterspielen und noch einmal zeigen, was ich kann. Mir ist bewusst, dass es jetzt wahrscheinlich meine letzte Station als Spieler sein wird, zumindest wenn sie langfristig und erfolgreich werden soll.
Spiidi: "Ich war vielleicht ein bisschen zu überzeugt"
99Damage: Wie hast du die erste Zeit danach verbracht? Warst du froh, endlich mal selbst bestimmen zu können, wie du deine Zeit einteilst?
Spiidi: Im ersten Monat danach war Playerbreak, insofern war der komplett mit Urlaub durchgeplant - ich bin mit Freunden oder meiner Freundin einfach hier und da hingereist. Danach habe ich ehrlich gesagt ein paar Sachen gemacht, für die ich vorher keine Zeit hatte. Ich war mal hier bei der Familie, da bei Freunden, was ich mir eigentlich niemals hätte träumen lassen, dass ich dafür Zeit habe. Ich habe quasi gechillt und regeneriert.
99Damage: Wie lange hat es gedauert, bis danach die ersten Angebote bekommen hast?
Spiidi: Ich wusste ja gar nicht, welche Angebote mich erwarten. Vielleicht war ich da auch ein bisschen zu überzeugt und habe gedacht, ich bekomme direkt ein, zwei gute Sachen. Es gab ein Angebot, bei dem mir eine Organisation die Möglichkeit gegeben hätte, selbst etwas aufzubauen. Aber das war direkt am Anfang und viel zu früh für mich. Dann gab es zwei, drei Angebote von Teams. Aber da war nichts dabei, wo ich gesagt hätte, das macht Sinn, und da sehe ich mich auch noch in einem Jahr. Ich will nicht nur irgendwo spielen, um ein bisschen Geld zu verdienen, sondern möchte natürlich noch etwas erreichen.
Im zweiten Teil des Interviews, welches morgen erscheint, geht es um das Intermezzo bei cowana Gaming sowie seine Auftritte als Caster, die Entwicklung der deutschen Szene und die Zukunft von Spiidi.
Foto: 99Damage
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