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Cheating - Ein Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft

Geposted von X-Ray,
Ein erfolgreiches eSport-Jahr 2013 ist zu Ende gegangen, doch neben den hellen Seiten, gab es auch einige dunkle Momente. Diverse Cheatvorwürfe, überraschende (oder auch nicht überraschende) VAC-Bans, Facebookschlachten, Ligaausschlüsse und vieles Ähnliches mehr versetzte der ansonsten so euphorischen Community regelmäßig einen Dämpfer. Was 2013 geschah und womit man vielleicht in Zukunft rechnen kann - eine Meinung von Samuel 'X-Ray' Cornelius. Was ist im letzten Jahr und bereits in diesem Jahr geschehen?

Der März des vergangenen Jahres war ein sehr turbulenter Monat hinsichtlich der Cheatvorfälle. In 2012 noch schlug das schwedische Team WeRunThisTown rund um Jerry 'xelos' Råberg im THOR-OPEN Qualifier die Golden Five von ESC mit einem unglaublichen 16:00 und warf danach auch die damals noch unantastbaren Ninjas in Pyjamas aus dem Turnier, aus dem WRTT jedoch später selbst disqualifiziert wurde. Einige Monate später wurde xelos im ersten Cup der EMS One Spring 2013 des Cheatens überführt und in der ESL für zwei Jahre gesperrt. Dadurch war es dem deutschen n!faculty-Team möglich, noch die 100 Punkte für den Qualifikationsturniersieg einzusacken, nachdem sie zuvor mit einer überragenden Leistung gegen NiP gewonnen hatten und im Finale gegen das - damals von Epsilon verpflichtete - Team von WRTT die Segel streichen mussten.

constarr wurde erwischt
Der nächste Paukenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Die 4Players League kündigte noch im März eine große Säuberungsaktion an, bei der insgesamt eine Anzahl von Spielern im zweistelligen Bereich aus dem Ligabetrieb ausgeschlossen wurde. Auf internationaler Ebene waren Teams, wie beispielsweise die Norweger von Temp.no betroffen. Aber auch die deutsche Szene blieb nicht verschont. Neben weniger erfolgreichen Teams, wie effect und LeiSure, erwischte es auch Gianluigi 'nes' Zarrelli von iPLAY, der wie alle anderen eine lebenslange Sperre erhielt. Nur einen Tag danach zog die Electronic Sports League nach und sperrte nes, sowie Roland 'constarr' Stengg für zwei Jahre, was die Disqualifikation von iPLAY und CPLAY aus der ESL Pro Series Spring 2013 Season zur Folge hatte, welche später von dem damals noch deutschen Team von n!faculty gewonnen wurde.

Wieder nur einen Tag später ging es noch einmal heiß her. Die Sperre von Bartosz 'Hyper' Wolny brachte die Polen von MaxFloPlay in die kritische Situation, sich für die folgende Season einen neuen fünften Mann suchen zu müssen. Ob die Sperre, die nach einem Timetable verhängt wurde, gerechtfertigt war oder nicht, wurde in der Zeit danach heiß diskutiert. Piotr 'peet' Ćwikliński schrieb sogar einen Gegentimetable.

Den Rest des Jahres blieb die Counter-Strike Community glücklicherweise (oder leider?) von größeren Cheatskandalen verschont. Erwähnenswert ist nur noch das deutsche Team jbree rund um Yannick 'LOCHER' Noe, welches einen gewissen Hype im negativen Sinne erfahren musste, nachdem vier von fünf Spielern wegen Cheating in der europäischen ESEA Intermediate Season 14 für jegliche Turniere der ESEA gesperrt worden waren. Die Deutschen standen zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Aufstieg, verpassten aber durch den Ban den eigentlich sicheren Finaleinzug, der damit an Reason Gaming ging.

Pünktlich zum Jahresbeginn 2014 brachte Valve das Update für Valve Anti Cheat (VAC) heraus. Bislang ist noch unklar, wie effektiv dieses Update sein wird, doch einige Bans wurden schon verteilt. Valve veröffentlichte bisher kaum Informationen zu dem Update - vermutlich um den Cheatprogrammierern die Arbeit nicht unnötig zu erleichtern.


Was muss oder könnte jetzt passieren?

Ligaorganisatoren und Entwickler haben den Cheatern jedoch den Kampf angesagt. So entwickelte jede Liga ihr eigenes Anti-Cheat-Tool und Valve präsentierte schon vor langer Zeit Valve Anti Cheat. Bislang arbeitete jeder für sich - doch was würde passieren, wenn die größten Ligen sich mit Valve zusammenschließen und gemeinsam ein Tool entwickeln? Durch die Zusammenarbeit könnten sich Lücken schließen lassen, da jeder seine eigene Sicht auf die Dinge hat und so aus mehreren Richtungen die Löcher gestopft werden können. Andererseits wären alle Ligen, die dieses Tool benutzen, gleichermaßen anfällig, sollte eine Lücke im System entdeckt werden. So muss man nun schauen, ob die Organisationen in nächster Zeit in dieser Hinsicht etwas tun oder ob man andere Wege ausprobiert.

Um ein wenig einschätzen zu können, wie realistisch die Durchführung einer solchen Idee ist, habe ich bei diversen Ligen angefragt, ob sie mir ein Statement schreiben würden. Von Marcus Ganz, Gründer der 4PL, welche inzwischen den Spielbetrieb eingestellt hat, erhielt ich folgendes Statement:

Statement Marco Ganz (Gründer und Projektleiter der 4PL):

An möglichen Kooperationsversuchen mit Valve, im Bezug Anti-Cheat und Counter-Strike, hat sich seinerzeit schon PunkBuster die Zähne ausgebissen. Ob von Ligen das Interesse besteht, etwas gemeinsames zu entwickeln oder Ideen und Entwicklungsfortschritte zusammenzutragen, wage ich zu bezweifeln, da eine gute, hauseigene Anti-Cheat Software von Ligen gerne als Alleinstellungsmerkmal in den Vordergrund rückt. Das war bei uns in der 4PL nichts anders. 4PL-Insight hat einen sehr guten Job gemacht und wirklich viele sogenannte 'private Hacks' erkannt. Dazu mussten die AC-Entwickler aber teilweise wirklich tief in die Trickkiste greifen, um die ganz tief versteckten Hacks ausfindig zu machen.

Diesem Statement kann man entnehmen, dass Valve nur wenige bis keine Ambitionen hat, mit anderen Ligen an einem Tool gegen unerlaubte Hilfsmittel zu arbeiten. Doch ich denke, die Zeiten haben sich geändert. Auch Valve muss nun die immer größer werdenden Zahlen berücksichtigen - schon weil Valve inzwischen Turniere, wie beispielsweise auf der DreamHack Winter im letzten Jahr selbst mitfinanziert hat und die Onlinequalifier von eben solch großen Turnieren nur selten cheatfrei sein werden. Auch Ligen werden hinsichtlich der Cheaterproblematik langsam aber sicher umdenken müssen. Zwar werden regelmäßig Spieler gebannt, doch die Dunkelziffer ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch sehr hoch. Ligen sind wohl eher daran interessiert, sich durch ihr eigenes Tool zu profilieren und so ein Plus gegenüber der Konkurrenz zu haben. Doch auch hier muss man ein wenig vom Ich-Denken auf ein Wir-Denken übergehen. Es ist in der heutigen Zeit möglich in mehreren Ligen zu spielen und daher muss man sich nicht mehr unbedingt gegenüber anderen Ligen beweisen, um mehr Teilnehmer in die Division zu holen. Es wird viel mehr auf Organisation, auf Preisgeld und auf Struktur geachtet. Es ist meiner Meinung nach nicht wichtig, wer das Tool entwickelt hat - es ist vielmehr wichtig, dass es für faire Spiele und einen verdienten Sieger sorgt.

David 'affentod' Hiltscher (Quelle: fragster.de)
Im weiteren Verlauf meiner Recherche hatte ich die Gelegenheit mit David 'affentod' Hiltscher von der ESL ein längeres Gespräch zu führen. In dieser halben Stunde legte er mir seine eigene Sicht und die Sicht der ESL zu diesem Thema dar. So stellte sich zum Beispiel heraus, dass die Zusammenarbeit mit Valve in mancherlei Hinsicht tatsächlich nicht gerade als einfach bezeichnet werden kann. So ist die Kommunikation der Ligaorganissationen mit Valve meist sehr einseitig. Das mag natürlich ein Hinderungsgrund in der Umsetzung eines gemeinsamen Anticheatprogramms sein, jedoch auch Valve, bei denen die Situation gegenwärtig scheinbar noch unterschätzt wird, wird bald erkennen müssen, dass die Problematik langsam aber sicher zu einem ernstzunehmenden Problem heranwächst - vor allem, wenn Counter-Strike:Global Offensive regelmäßig zu einem Spottpreis angeboten oder vielleicht bald sogar komplett Free-to-Play spielbar sein wird und diese Gelegenheit oft von Cheatern genutzt wird, um sich einen Zweitaccount anzulegen. Auch ist seitens Valve zunächst viel anderes zu tun, bevor man sich einem nächsten Schritt widmen kann. So sind erst einmal einige Lücken in der Engine zu stopfen, was nur der Entwickler selbst bewerkstelligen kann.

Dass die Idee eines gemeinsamen Projekts eine gewisse Daseinsberechtigung hat war einer der Punkte, in denen David 'affentod' Hiltscher und ich klar übereinstimmten. Auch wenn dieses Projekt momentan nicht möglich oder zumindest sehr schwer durchzuführen ist, könnte die Zusammenarbeit der Ligen, wie ESEA, ESL und Starladder auf lange Sicht einen großen Schritt nach vorne bedeuten. Es wäre, praktisch gesehen, kein einfacher Schritt, da man dieses neue Tool in die verschiedenen Internetauftritte und Ligaverwaltungssysteme integrieren müsste und dieses Unterfangen des Weiteren durch Sprachbarrieren und ähnlichen Hindernissen erschwert werden würde. Aus finanzieller Sicht sollten allerdings weniger Probleme auftreten, da sich die Kosten auf mehrere Stationen verteilen, was natürlich nicht billig ist, doch immernoch erschwinglicher wäre, als eine selbstständige Entwicklung. Genauso müsste man nicht von null beginnen. Man könnte beispielsweise Wire von der ESL als Grundlage nehmen, dieses Programm weiterentwickeln und gemeinsam nutzen. Das wäre ein großer Vorteil für eine Liga, wie die Starladder oder Organisationen, die eine neue Liga gründen wollen und so schon eine Sorge weniger haben, wenn sie sich nicht um die Entwicklung eines Anti-Cheat-Tools kümmern müssen.

Die stärkste Waffe im Kampf gegen Cheater ist jedoch die Community selbst - und daher auch dieser Appell an jeden Einzelnen, der CS:GO spielt. Wenn sich keiner mehr mit Cheatern abgibt und niemand mehr Cheater in seinem Team haben will, ändern vielleicht auch diese ihr Verhalten und versuchen auf ehrliche Weise die Siege einzufahren. Doch hier muss sich jeder an die eigene Nase fassen, selbst die Cheats ausmachen oder gar nicht erst damit anfangen. Alle Zuschauer wünschen sich einen fairen Wettstreit. Cheats zerstören auch für Casuals den Spaß am Spielen. In diesem Sinne: Immer fair und sportlich bleiben - nur dadurch haben alle Spaß am Spiel.

Zum Schluss sei natürlich noch zur Diskussion angeregt. Was haltet ihr von den vorgeschlagenen Ideen im Kampf gegen Cheater? Wie seht ihr 2013 in dieser Hinsicht? Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass bitte darauf geachtet wird, diese Diskussion sachlich und ohne Beleidigungen zu führen. Keiner mag Cheater, aber es geht trotzdem auch mit dem nötigen Respekt anderen Menschen gegenüber. Unfreundliche oder unsachliche Beiträge wie auch Links zu Anleitungen oder Ähnlichem werden direkt und ohne weitere Verwarnung gelöscht.

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