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G2-Coach Swani über verpasstes Major: "Ein unterirdisches Ergebnis"

Geposted von w1zzyy,
Jan 'Swani' Müller von G2 Esports spricht im Interview mit 99Damage über das verpasste IEM Rio Major 2022, das Aus von Rémy 'XTQZZZ' Quoniam und die anstehenden BLAST Premier: Fall Finals 2022. Nach der verpassten Qualifikation für das IEM Rio Major 2022 hat Rémy 'XTQZZZ' Quoniam seinen Abschied von G2 Esports verkündet. Dadurch rückte Jan 'Swani' Müller erneut von der Rolle des Analysten in die Coach-Funktion.

99Damage hat mit dem 27-Jährigen über seine Erfahrungen auf dieser Position, die schmerzhaften Ergebnisse beim Rio-RMR sowie die Ziele für die am Mittwoch startenden BLAST Premier: Fall Finals 2022 gesprochen. Zudem erklärt der Deutsche, warum sich G2 Esports in diesem Jahr bereits mehrfach auf der Ingame-Leader-Position neu aufgestellt hat.

Swani: Ich weiß jetzt, "was sie brauchen"



99Damage: Hi Swani, wie ist es, das Team zum zweiten Mal als Interims-Coach zu übernehmen?

Swani: Ich bin dieses Mal definitiv besser vorbereitet und habe mehr Ahnung. Ich weiß nun mehr, worauf es ankommt. Das erste Mal wurde ich ein bisschen reingeworfen, ohne wirklich jemals Erfahrung zu haben.

99Damage: Worauf kommt es denn an?

Swani: Man muss einfach wissen, wann die Spieler Druck haben, wann sie ein Timeout benötigen oder was sie in der Vorbereitung von dem Coach brauchen. Das sind so Sachen, die du einfach nicht weißt, wenn du vorher nie wirklich Main-Coach warst, weil du nicht hinter den Spielern stehst. Nach der ersten Erfahrung weiß ich jetzt genau, was sie brauchen, wann sie Druck haben oder wann sie von mir Input benötigen, der nichts mit Strats zu tun hat, sondern mehr mit Kommunikation.

99Damage: Das Aus von Rémy 'XTQZZZ' Quoniam hat erst dazu geführt, dass du erneut in der Position des Interims-Coaches bist. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Swani: Nach dem RMR waren alle ziemlich enttäuscht und man hat sich tiefgründigere Gedanken gemacht, woran es liegt. Da hat man gemerkt, dass seine Philosophie und sein System nicht so zu uns bzw. den Spielern passen. Man hat einfach gemerkt, dass da Diskrepanzen sind, die man nur sehr schwer überwinden kann.



99Damage: Dennoch war der Zeitpunkt nicht optimal, oder?

Swani: Der Zeitpunkt war nicht der beste, das stimmt. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich bis zum Ende der Saison gewartet und nicht wegen eines Turniers direkt überreagiert und quasi alles hingeschmissen. Das lässt natürlich die Spieler und uns alle in einer unvorteilhaften Situation. Aber wir müssen jetzt das Beste daraus machen.

"Siege sind auf diesem Level einfach nicht garantiert"



99Damage: Hat dich seine Entscheidung überrascht? Inwieweit warst du in den Prozess involviert?

Swani: Ich wusste schon ein bisschen länger, dass er sich Gedanken darüber macht, dass das, was er bringt, einfach nicht zu den Spielern passt. Hinzu kommt, dass er kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden ist. Dadurch hatte er einfach nicht mehr so die Zeit, die er eigentlich investieren kann und muss.

Er hat versucht, sein System von Team Vitality bei uns zu adaptieren. Und als das nicht geklappt hat, musste er natürlich viel mehr Zeit investieren und auch mit jedem viel mehr individuell machen. Doch diese Zeit hatte er mit zwei Kindern einfach nicht.

99Damage: Durch das verpasste Major hattet ihr nun eine lange Pause vor den BLAST Premier: Fall Finals 2022. Wie lange hat es gedauert, die Enttäuschung zu verdauen?

Swani: Ich glaube, verdauen kann man so etwas nie. In den zwei Wochen danach sind ein paar Leute in den Urlaub geflogen, um den Kopf frei zu kriegen. Andere haben einfach Zeit mit der Familie verbracht. Ich halte es für wichtig, dass man sich immer an das Gefühl und diesen Schmerz erinnert, nachdem wir verloren haben.

Wir müssen alles dafür geben, das nie wieder zu fühlen. Ich glaube, das ist ein wichtiges Learning aus dem Turnier. Egal wie gut du bist oder was für einen Namen du hast, Siege sind auf diesem Level einfach nicht garantiert - egal gegen wen du spielst.



99Damage: Ihr habt innerhalb dieses Jahres bereits mehrere Ingame-Leader gehabt: erst Nemanja 'nexa' Isaković, dann Aleksi 'Aleksib' Antti Kaarlo Virolainen und inzwischen Rasmus 'HooXi' Nielsen. Was habt ihr euch von den Wechseln versprochen und wie kam es dazu?

Swani: Bei nexa war es einfach so, dass er keine Lust mehr hatte, Ingame-Leader zu sein. Damals war es schwer für uns, einen Platz für ihn im Team zu finden. Jetzt im Nachhinein muss man natürlich sagen, dass er einer der besten Anchor ist, für den wir bestimmt hätten einen Platz finden müssen. Aber das Management wollte ihn damals nicht mehr im Team haben, wenn er nicht die Position des Ingame-Leaders übernimmt. Daher war es für beide Parteien am besten.

HooXi gibt den Spielern "viel mehr Freiraum"



99Damage: Und der Wechsel von Aleksib zu HooXi?

Swani: Bei Aleksib hatten wir uns erhofft, dass wir einen Captain und einen Ingame-Leader bekommen. Aber am Ende hat man gemerkt, dass er zwar ein guter Ingame-Leader ist, aber kein Captain. Hinzu kam, dass XTQZZZ gar nicht mit Aleksib klargekommen ist, mit seiner Vision, wie er callt und so weiter. Deshalb haben wir HooXi gebracht, der den Spielern einfach viel mehr Freiraum gibt.

Das sieht man zum Beispiel an Ilya 'm0NESY' Osipov. Er spielt jetzt viel besser, weil er nicht mehr die ganze Zeit supporten muss. Er hat jede Freiheit und kann alles peaken, wenn er zu Beginn einer Runde zum Beispiel einen guten Spawn hat. Allgemein kann man sagen, dass das System von HooXi auf jeden Fall am besten zu den Spielern passt, die wir jetzt haben – das hatten wir uns auch erhofft und es läuft echt gut.

99Damage: Wie erklärst du dann das Ergebnis beim RMR?

Swani: Natürlich kann man sagen, dass wir jetzt mit dem RMR ein schlechtes Event hatten, aber wenn man zum Beispiel auf die ESL Pro League Season #16 blickt, da standen wir 5:0. Deshalb läuft die Saison aus unserer Sicht jetzt nicht so schlecht, sondern es war einfach ein unterirdisches Ergebnis.



99Damage: Also haben die Wechsel auf der Ingame-Leader-Position nicht zu Unsicherheiten innerhalb des Teams geführt?

Swani: Nein. Es kommen immer mehrere Faktoren zusammen. Vieles ist einfach, wie Coach und Management das Team sehen. Die Spieler können sich sehr gut anpassen - egal, wer der Ingame-Leader ist.

Swani: "Wir wollen uns für das World Final qualifizieren"



99Damage: Wie habt ihr euch auf die BLAST Premier: Fall Finals vorbereitet und was habt ihr euch vorgenommen?

Swani: Wir waren vergangene Woche im Bootcamp in Kopenhagen und haben uns vorgenommen, im Training produktiver zu sein. Wir haben eine bessere Struktur entwickelt und haben klare Ziele, während wir trainieren. Dadurch konnten wir gute Fortschritte machen.

Zuletzt waren wir in der Kommunikation und in After-Plant-Situationen richtig schlecht, obwohl wir mit dem Lineup eigentlich eines der besten Clutch-Teams sein sollten. Deshalb haben wir uns in dem Bootcamp darauf fokussiert, sehr gut miteinander zu kommunizieren. Da sieht man bislang eine sehr gute Entwicklung. Wir haben so langsam die fehlenden 10 bis 15 Prozent bekommen, die uns auf ein sehr gutes Level bringen. Daher bin ich ziemlich zuversichtlich für BLAST.

99Damage: Was sind eure Ziele für die Fall Finals?

Swani: Das Hauptziel für BLAST ist einfach, den Fokus aus dem Practice mitzunehmen und so im Official zu spielen, wie wir trainieren. Das war in der Vergangenheit immer ein Problem für uns. Wir hatten relativ oft gute Pracc-Ergebnisse, konnten es aber einfach nicht auf die Bühne bringen. Wir wollen uns für das BLAST Premier: World Final 2022 qualifizieren und am Ende natürlich die Top 3 oder Top 4 erreichen.

99Damage: Und was passiert, wenn es am Ende nicht für Platz 3 oder 4 reicht?

Swani: Ehrlich gesagt gar nichts. Wir spielen einfach komplett frei auf. Wir wollen Spaß haben. Wir wollen die Saison gut beenden. Konsequenzen würde es eher keine geben, wenn das nicht erreicht wird.



G2 Esports startet am Mittwoch um 19:00 Uhr in der Gruppe B in die BLAST Premier: Fall Finals. Erster Gegner der Europäer ist dabei Team Liquid. Auch Natus Vincere und Fluxo befinden sich in der Gruppe von G2. Der Gewinner der Fall Finals erhält 200.000 US-Dollar Preisgeld und qualifiziert sich für das World Final.

Foto: G2 Esports

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    Markus Krause
    Staff
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      Hamburg, Deutschland

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