Dokumentarfilmer Tobias Frey: Über TAMM sprachen wir auf dem Pausenhof

Geposted von Jerrow1337,
Die Dokumentation "Mythos Counter-Strike - Die Dokumentation" erscheint am 19. Juni und blickt auf 23 Jahre deutsches Counter-Strike zurück. 99Damage spricht mit Regisseur Tobias Frey über seinen Film, seine eigene CS-Vergangenheit sowie zukünftige Projekte. "Mythos Counter-Strike - Die Dokumentation" feiert am 19. Juni seine Premiere - und das auf den Tag 23 Jahre nach der Veröffentlichung der ersten Counter-Strike-Beta. Regisseur Tobias Frey blickt in seinem Film auf die Geschichte und die Entwicklung der Counter-Strike-Szene in Deutschland zurück.

Von den Beta-Versionen von Counter-Strike über die Version 1.6 bis hin zu Counter-Strike: Source und Counter-Strike: Global Offensive erzählt die Dokumentation von den Anfangszeiten der Clans, den Schattenseiten wie die Indizierungsdebatte von 2002 und den legendäre Duellen zwischen ALTERNATE aTTaX und mousesports. Darüber hinaus kommen die wachsende Female-Szene sowie die Community-Themen wie die Kultfilme "A Gamer's Day" und "The Cheat Report" in der Dokumentation zur Sprache.

Durch zahlreiche Zitate lässt Tobias Frey ein lebendiges Bild der deutschen CS-Szene entstehen. Neben Urgesteinen wie Michael 'Speiky' Schmidt, David 'CHEF-KOCH' Nagel und Christian 'Blizzard' Chmiel kommen auch Melanie 'beyoNd*' Gutsche, Kevin 'kRYSTAL' Amend und Matthias 'Knochen' Remmert zu Wort. Der Fokus des Films liegt vornehmlich auf der Counter-Strike-Version 1.6.



99Damage: Deine Dokumentation "Mythos Counter-Strike" erscheint bald. Wie kam es zu der Idee und warum hältst du das Thema für relevant?

Tobias Frey: Ich hatte mir vor gut zwei Jahren die Frage gestellt, ob es eine große Dokumentation über die deutsche Counter-Strike-Geschichte gibt, was bis dato nicht der Fall war. Ich dachte mir dann, es wäre cool, wenn es wirklich eine einstündige Dokumentation gibt, die die Anfangszeiten von CS bis in die heutige Zeit abdeckt. Ich habe das Projekt dann ehrenamtlich in meiner Freizeit gestartet, einen YouTube-Kanal angemeldet und habe dann mit den alten Spielern von früher Kontakt aufgenommen und bin da auch auf positive Resonanz gestoßen. Insgesamt bin ich jetzt bei 30 Leuten, die in der Doku zu Wort kommen werden. Bekannte ehemalige Spieler wie Christian 'Blizzard' Chmiel von mousesports oder David 'CHEF-KOCH' Nagel von ALTERNATE aTTaX, genauso wie ein Finn 'karrigan' Andersen oder auch ein Daniel P. Schenk und Alexander Roth, die die bekannten Kurzfilme "A Gamer's Day" und "The Cheat Report" gemacht haben.

99Damage: Die Doku erscheint dann auf deinem eigenen YouTube-Kanal. Hast du den Film eigenständig gedreht oder produzierst du ihn im Auftrag?

Tobias Frey: Das ganze Projekt ist tatsächlich eine One-Man-Show, das vollständig aus meiner Feder gekommen ist. Recherche, Drehbuch sowie das Organisieren von Interviews, Musikauswahl, Schnitt und Rechteeinholung. Das Ganze benötigte sehr viel Arbeit in den vergangenen Monaten, die aber auch viel Spaß gemacht hat. Die Dokumentation ist als Geschenk für die Counter-Strike-Community gedacht, mit der ich auch kein Geld verdienen möchte. Ich habe das gesamte Projekt aus meiner eigenen Tasche finanziert, es gab keinen Auftraggeber oder Sponsor. Da mein Kanal werbefrei ist, gibt es auch keine YouTube-Werbeeinnahmen. Auch Spenden lehne ich ab und sage den Leuten immer, dass sie das Geld lieber an wirklich bedürftige Menschen spenden sollen. Wichtig war dabei aber der Support der Community. Viele haben mich mit Bildern, Videos, alten Demos oder alten Screenshots versorgt. Hinzu kommen natürlich die Interviewgäste, die mir zugesagt haben, die dann auch weitere Informationen, O-Töne, Zitate beigesteuert haben. In diesem Zusammenhang hat es mich gefreut, dass so viele Leute die Erinnerungen an früher haben und diese nicht in Vergessenheit geraten lassen wollen.

99Damage: Gut zwei Jahre hast du mit Recherche und Produktion verbracht. Hat sich die Pandemie auch auf deine Arbeit ausgewirkt?

Tobias Frey: Die Pandemie war insofern nicht so relevant, weil ich die Recherche trotzdem recht gut machen konnte. Ich habe mich dann auf alten Szene-Homepages wie Readmore oder inCounterStrike.de umgeschaut und konnte auch über Archivseiten zum Beispiel die ‚Wayback Machine‘ auf alte Sachen zurückgreifen wie beispielsweise die alte TAMM oder mymtw-Seite. Das erste Jahr habe ich vollständig mit der Recherche verbracht und habe Informationen, Bilder und Videos gesammelt, bevor ich dann an das Drehbuch gegangen bin. Das Organisieren der Interviews war dann stellenweise etwas schwieriger, weil manche Treffen einfach nicht möglich waren. Ich musste das ein oder andere Mal schon einen Termin verschieben beziehungsweise absagen. Als dann aber auch die Bestimmungen wieder lockerer wurden, konnte ich entsprechend die Interviews starten und das lief dann tatsächlich ganz gut.



"CS hat den E-Sport in Deutschland nach vorne gebracht"



99Damage: Warum hast du dich gerade für den Titel „Mythos Counter-Strike“ entschieden. Was bedeutet der Begriff Mythos für Counter-Strike?

Tobias Frey: Das Besondere an Counter-Strike ist, dass es sich jetzt schon seit 23 Jahren hält. Natürlich waren die anfänglichen Versionen noch deutlich anders als heute, aber es ist einfach interessant zu sehen, wie sich CS in der Gaming Industrie behaupten konnte und wie es gleichzeitig den E-Sport in Deutschland nach vorne gebracht hat. Von anfänglichen kleinen Events in Turn- oder Gemeindehallen bis mittlerweile zu gefüllten Fußball-Stadien und Messehallen. Es ist einfach schön zu sehen, wie diese Entwicklung in den letzten Jahren vorangeschritten ist. Genau das macht auch für mich diesen Mythos aus, dass sich Counter-Strike trotz der ganzen Jahre, die das Spiel jetzt schon auf dem Buckel hat, immer noch so aktiv in der Gaming-Szene halten kann. Spannend ist auch, dass noch so viele Menschen etwas mit CS verbinden: Entweder, weil sie früher selbst gespielt haben oder weil sie auch einfach den Top-Spielern zugeschaut haben und es vielleicht auch heute noch tun. Counter-Strike ist einfach ein Spiel, mit dem Menschen viele Erinnerungen verbinden.

99Damage: Du hast sehr viele alte CS-Legenden um Interviews und Stimmen gebeten. War es schwierig, die Interviewpartner zu bekommen?

Tobias Frey: Die meisten Spieler von früher haben sich wirklich gefreut und auch geehrt gefühlt, dass man sie nicht vergessen hat, da es ja doch mittlerweile eine sehr lange Zeit ist. Michael ‚Speiky‘ Schmidt hatte mit mTw Anfang der 2000er Jahre seine großen Erfolge und ist mittlerweile seit fast 20 Jahren von der Bildfläche verschwunden. Auch Maurice ‚Burningdeath‘ Engelhardt ist schon seit Jahren vollständig inaktiv. Die Leute haben sich aber immer gefreut, wenn man sie angefragt hat und haben sofort zugesagt. Natürlich war es immer ein gewisser Aufwand, was die Interview-Locations angeht. Mir war es wichtig, dass ich die Leute vor Ort treffe und so wenig Webcam-Interviews wie möglich habe, da diese Interviews eher unpersönlich sind. Bei manchen ging es natürlich nicht anders, beispielsweise bei Finn Anderson, der in Dänemark lebt oder "3D Rambo", der in den USA beheimatet ist. Daher war es mir wichtig, die Leute immer vor Ort zu treffen. Ich habe das dann auch öfter mit einem kleinen Urlaub verbunden, beispielsweise in Hamburg bei Speiky oder bei Knochen in Berlin. Ich bin auch mal nach Frankfurt gefahren und habe dort den ein oder anderen Interviewgast vor das Mikro und die Kamera geholt. Die meisten waren aber echt Feuer und Flamme und haben sich gefreut, dass man sich noch an die alten Zeiten von damals erinnert.



99Damage: Wie war die Recherche hinsichtlich der Suche nach den CS-Persönlichkeiten?

Tobias Frey: Es war schon eine richtige Detektivarbeit. Teilweise hatte ich nur die alten Nicknames und musste recherchieren, wie sie überhaupt mit richtigem Namen heißen und wo sie früher gewohnt haben. Man hatte auch einfach nicht mehr die gleichen Kontaktmöglichkeiten wie früher. Damals hatte man ICQ oder IRC, wo man sich ausgetauscht hat, stellenweise natürlich auch über Steam. Viele sind aber regelrecht von der Bildfläche verschwunden und haben nichts mehr mit Gaming zu tun. Manche Spieler kannte ich zum Glück aber selbst noch von früher und hatte dann noch Kontaktmöglichkeiten über diverse soziale Netzwerke, manche habe ich auch in Job-Börsen wie XING oder LinkedIn gefunden. Manchmal sind tatsächlich auch noch Kontakte über andere Counter-Strike Spieler entstanden, die stellenweise noch alte Handynummern oder Email-Adressen von vor zehn Jahren hatten. Natürlich gab es aber auch Leute, die mit der Gaming-Vergangenheit abgeschlossen haben und gesagt haben, dass sie das Projekt zwar cool fänden aber nicht unbedingt in einem Interview dabei sein möchten. Ist schade, aber natürlich auch verständlich und das wurde auch von mir respektiert.

"Der Fokus liegt auf der 1.6-Zeit"



99Damage: Dein YouTube-Kanal fokussiert sich hauptsächlich auf die 1.6-Zeiten – wird auch in der Doku der entsprechende Fokus sein?

Tobias Frey: In meinem Film habe ich versucht, möglichst viele Epochen der Counter-Strike-Historie abzudecken, wobei der Fokus auf Counter-Strike 1.6 liegt. Angefangen mit den Beta-Versionen und wie es sich dann auch entwickelt hat, als Counter-Strike 1.0 herauskam. Das war im Jahr 2000 ein großes Ding, weil es auch auf CD erschienem ist. Auch die Versionen 1.3 und 1.5 werden kurz erwähnt, bevor dann aber der Hauptfokus auf der 1.6-Zeit liegt. Das hängt auch damit zusammen, weil ich selbst sehr gut in dieser Zeit involviert war und noch viele Erfahrungen und Erinnerungen an die damalige Zeit habe. Counter-Strike: Source wird auch kurz behandelt, aber es war einfach bei vielen Menschen – gerade bei den 1.6-Veteranen – das leicht verpönte Spiel. Dann kommt noch einmal ein größerer Part zu Counter-Strike: Global Offensive, in dessen Zusammenhang ich ja auch mit den zwei sehr bekannten Spielern Finn 'karrigan' Andersen und Kevin 'kRYSTAL' Amend gesprochen habe. Hinzu kommt natürlich auch Matthias "Knochen" Remmert, der als langjähriger E-Sport-Kommentator und CS:GO-Experte sehr viel zu erzählen hat. Mein Ziel war es, dass jeder CS-Spieler in der Dokumentation etwas findet, das ihm gefällt.

99Damage: Was sind für dich die wichtigsten Meilensteine in Hinblick auf die deutsche CS-Geschichte?

Tobias Frey: Es gab viele Ereignisse, die für die deutsche Counter-Strike-Szene prägend waren. Am Anfang geht es auch um die Gründungen der ersten Clans und auch, wie sie mit den damaligen technischen Bedingungen mit Modems und Co. ihre ersten Erfahrungen gemacht haben. Ganz konkret spielt TAMM in diesem Zusammenhang eine große Rolle, der heute eine Art Legenden-Clan ist und damals mit 78 Siegen in Folge als unschlagbar galt. Ganz wesentlich zählen dazu die Entstehung und Anfangszeiten der ESL, die heute einer der größten Turnierveranstalter der Welt ist. Wichtig für mich war zudem die Erwähnung der Intel Friday Night Games, die für die Community damals eine wirklich große Bedeutung hatten. Ebenfalls im Fokus war für mich war das Duell zwischen mousesports und Alternate ATTAX, was zwischen 2004 bis 2012 das große Derby der deutschen CS-Szene war. Auch der Aufstieg von Fatih 'gob b' Dayik oder der tragische Unfalltod von Antonio 'cyx‘ Danilowski spielen eine Rolle. Darüber hinaus nimmt auch die Female-Szene einen Part des Films ein sowie „A Gamers Day“, der nach seiner Veröffentlichung 2005 zu einem regelrechten Kultfilm wurde.



"Die Indizierungsdebatte 2002 war ein regelrechter Spießrutenlauf für Gamer"



99Damage: Bei der deutschen CS-Geschichte kommt man nicht an der Killerspiel-und Indizierungsdebatte vorbei. Behandelst du dieses Thema?

Tobias Frey: Mir war es wichtig, dass in der Doku nicht nur die positiven Seiten von Counter-Strike zur Sprache kommen, sondern eben auch die negativen Aspekte und die Schattenseiten. Die Indizierungsdebatte 2002 sorgte damals für viel Aufmerksamkeit, da das Spiel damals kurz vor der Indizierung stand. In diesem Zusammenhang habe ich auch mit der Gamestar-Redakeurin Petra Schmitz gesprochen, die die damalige Killerspieldebatte und mediale Berichterstattung intensiv verfolgt hat. Die damalige Berichterstattung zu diesem Thema hat ja auch stellenweise einer Welle geglichen und viele haben gefordert, dass man einfach eine seriöse Debatte führen solle, die vielleicht 2002 gar nicht wirklich möglich war. In der Doku kommen deswegen einige Gamer wie Peter "Chucky" Schlosser und Mac-Claen Tóth zu Wort, die damals auch diese Stigmatisierungen mitbekommen und am eigenen Leib gespürt haben, was man sich in diesem Maße heute gar nicht mehr vorstellen kann. Heute sind Computerspiele in der Gesellschaft angekommen, aber das war im Jahr 2002 wirklich eine Art Spießrutenlauf, den die Gamer da gehen mussten. Die damalige Entscheidung der BPjS (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Anm. der Redaktion), dass Counter-Strike nicht indiziert wird, kam auch entsprechend überraschend. Hätte die BPjS anders entschieden und CS indiziert, hätte es die gesamte positive Entwicklung der vergangenen Jahre nicht gegeben.

99Damage: Wie schätzt du die CS-Gemeinschaft von damals und heute ein?

Tobias Frey: Aus meiner Sicht war es früher alles ein bisschen persönlicher, weil man sich einfach durch die Events und LAN-Party gekannt hat. Es war immer eine tolle Sache, wenn man die Leute, die man nur aus dem Internet kannte, dort dann getroffen hat und sich unterhalten konnte. Da die Internetverbindungen schlechter waren als heute, hat es auch mehr Spaß gemacht, auf LAN-Partys zu spielen und natürlich gab es auch viele Spieler, die im LAN nicht die gleiche Leistung wie im Internet abrufen konnten - die mussten sich dann schon den einen oder anderen Spruch gefallen lassen. Mittlerweile gibt es deutlich weniger LAN-Partys, da fast jeder über eine gute Internetleitung verfügt, dadurch ist der persönliche Kontakt leider weniger geworden. Sonst ist alles größer und professioneller geworden und auch die Machtverhältnisse haben sich geändert: Früher hatte die ESL Pro Series den größten Stellenwert für die deutsche Counter-Strike-Community, heute sind es die Major-Events.



99Damage: Wie siehst du die Entwicklung von CS-Deutschland im internationalen Vergleich?

Tobias Frey: Ich würde es mir wünschen, dass die ESL Meisterschaft wieder einen größeren Stellenwert bekommt, weil es einfach das nationale Turnier ist, in dem sich die besten deutschen Teams messen sollten. Früher haben bei den EPS-Matches tausende Fans mitgefiebert, wenn sich mousesports und ALTERNATE aTTaX duelliert haben. Es ist natürlich schwierig geworden mit den großen Major-Events als Konkurrenz, die bei den großen Teams einen viel größeren Stellenwert haben und auch dort entsprechend der Fokus liegt. Die deutsche Liga, also ESL Meisterschaft, ist zwar da und hat auch noch einen gewissen Stellenwert, aber im Vergleich zu früher ist die Relevanz einfach geringer geworden. Es wäre aber schön, wenn die deutschen Ligen wieder mehr in den Fokus rücken würden. So wie früher wird es vermutlichg nicht, aber ich hoffe einfach, dass es wieder eine ähnliche Größe erreicht, wie zu den Anfangszeiten von CS:GO. Es ist einfach eine große Tradition, die dahintersteckt, mit Blick auf die vergangenen 23 Jahre.

"Es ist alles größer und professioneller geworden"



99Damage: Du hast bereits andere journalistische E-Sport-Formate produziert, zum Beispiel eine Multimedia-Reportage für den SWR. Wie schätzt du den Weg im deutschen E-Sport ein?

Tobias Frey: Es ist alles deutlich professioneller und größer geworden. Das sieht man bei den Preisgeldern, egal in welchem Computerspiel. Man sieht es auch wie die Spieler behandelt werden und wie die Leute auch tatsächlich davon leben können. Das war früher einfach noch ganz anders. 2006 haben wir in der ESL Pro Series pro Sieg 250 Euro bekommen, das musste dann aber auf die fünf Spieler aufgeteilt werden. In einer Saison kamen da bei einem Mittelfeldteam vielleicht 250 Euro zusammen, worüber man sich aber riesig gefreut hatte. Früher hast du in einer Halle vor 500 Leuten gespielt, während heute Zehntausende in einer Halle plus Hunderttausende im Stream dabei sind. Die Entwicklung ist schon gut, aber natürlich wird es bei uns in Deutschland noch dauern, bis es alles in einem großen Rahmen stattfindet. Ich finde aber wirklich, dass Games und E-Sport mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Das ist einfach schön zu sehen, dass sich das alles so entwickelt und ich glaube auch, dass der Zenit noch nicht erreicht ist.


Tobias Frey (ganz rechts) bei den Gamestar-Finals 2006.

99Damage: Wie sieht denn deine eigene CS-Vergangenheit aus?

Tobias Frey: Ich habe mit Counter-Strike im Jahr 2000 angefangen, damals mit der "Counter-Strike Beta 6.1"-Version. Gezockt wurde hobbymäßig mit Kumpels auf LAN-Partys und als wir dann zuhause eine ISDN-Leitung bekamen, habe ich auch im Internet bei Clans wie feRus, toXic oder angelDust gespielt. Der erste größere Erfolg kam als ich dann zu starComa.Tagan gewechselt bin. Dort habe ich unter dem Nickname 'MC_T' von 2005 bis 2006 zwei Seasons in der EPS (ESL Pro League Series) Counter-Strike 1.6 gespielt und durfte auch zu den Friday Night Games nach Nürnberg und Berlin fahren. Mit dem Team sind wir dann damals im Mittelfeld gelandet. Danach war ich noch für weitere Clans aktiv, unter anderem bei DkH.Keyweb, den Stofftieren.Online und Ocrana.ATI. Zu diesem Zeitpunkt habe ich aber nur noch an LAN-Relegationen teilgenommen, um die Teams in die EPS zu bekommen. Ich war auf LAN immer stärker als online. Als Semi-Profi habe ich aber nie so viel gespielt, dass es für die absolute Spitze gereicht hat. Ich war meistens im Mittelfeld unterwegs. 2007 habe ich dann aber mit Counter-Strike aufgehört. Aktuell spiele ich wieder etwas Counter-Strike: Global Offensive, aber natürlich nur noch hobbymäßig.



99Damage: Was ist deine schönste Erinnerung an die alten CS-Zeiten?

Tobias Frey: Das Schöne an Counter-Strike war früher für mich immer der Zusammenhalt in der Community. Man hat sich getroffen auf LAN-Partys oder bei den Friday Night Games, hat dort zusammengespielt und sich unterhalten. Durch das Gaming sind auch viele Freundschaften entstanden. Das war für mich immer sehr besonders. Faszinierend war aber auch gleichzeitig dieser Wettbewerbscharakter, das gegenseitige Messen und den Gegner durch neue Taktiken ausspielen und etwas als Team zusammen zu erreichen. Es ist eben nicht nur ein Shooter, in dem man im Alleingang unterwegs sein kann, sondern wo es viel um Teamplay und Zusammenhalt geht. Das hat für mich immer den besonderen Reiz ausgemacht.

"Johnny R. und Blizzard haben beeindruckende Leistungen gezeigt"



99Damage: Hast du persönlich einen Lieblingsspieler oder Lieblingsteam aus der deutschen CS-Geschichte?

Tobias Frey: Für mich war immer sehr beeindruckend, welche Leistungen Jonas ‚Johnny R.‘ Bollack und Christian ‚Blizzard‘ Chmiel gezeigt haben. Jonas war zu Beginn von Counter-Strike der stärkste AWP-Spieler in Deutschland, der auch über einen längeren Zeitraum bei internationalen Events extrem spektakulär gespielt hat. Christian hat sich vor allem über seine Konstanz, Erfahrung und Routine ausgezeichnet und konnte sich viele Jahre an der Weltspitze behaupten. Faszinierend war auch die Entwicklung von Fatih 'gob b' Dayik, gegen den ich schon 2006 auf der EPS-LAN-Relegation in Köln gespielt habe - er damals bei Geelife, ich bei DkH.Keyweb. Wir konnten das Spiel zwar knapp gewinnen, aber er war der mit Abstand beste Spieler auf dem Server und es war interessant zu sehen, wie er anschließend die deutsche Counter-Strike-Szene geprägt hat. Von den Teams her war Anfang der 2000er Jahre TAMM für mich immer der Legenden-Clan, auch weil ich aus der Nähe von Tamm komme. Darüber hat man sich auch früher auf dem Pausenhof unterhalten weil das Team zwar als unschlagbar galt, aber auch mysteriös, da man nie wusste, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Später habe ich dann noch gerne mousesports und ALTERNATE aTTaX zugeschaut, die auch international erfolgreich waren.



99Damage: Du betreibst seit einiger Zeit den Kanal "Book of Counter-Strike" auf YouTube. Wie kam es zu der Idee?

Tobias Frey: Das Ganze ist als ein Hobbyprojekt gestartet und das wird es auch bleiben. Der Kanal ist werbefrei und komplett ohne Monetarisierung. Das ist mir ganz wichtig. Ziel des Kanals war es einfach, bei dem ein oder andere Nostalgie-Gefühle zu wecken und die alte Counter-Strike-Zeit noch einmal zurückzuholen, natürlich auch für die, die damals live mit dabei waren. Ich freue mich dann auch immer riesig, wenn sich Spieler von früher melden, nachdem sie die Videos auf dem Kanal gesehen haben.

99Damage: Mit dem Erscheinen der Doku über die deutsche CS-Geschichte geht ein Großprojekt erstmal zu Ende. Planst du für die Zukunft noch weitere Projekte dieser Art?

Tobias Frey: Das Schöne ist, dass es noch so viele Aspekte gibt von früher, auf die man eingehen kann. Ich plane noch ein eigenes längeres Video zu den Filmen ‚A Gamer's Day‘ und 'The Cheat Report', die damals für sehr viel Furore gesorgt haben und zu dem ich den Regisseur auch länger interviewt habe. Was ich mir ebenfalls vorstellen kann, ist ein längeres Projekt über den Sieg von ALTERNATE aTTaX bei der WSVG 2006 in New York, wo man als Mixteam und krasser Außenseiter hingekommen ist und man dann am Ende das Turnier gegen die Top Teams überraschend gewonnen hat. Damals gab es für den Sieg immerhin 50.000 US-Dollar Preisgeld und fünf Rolex Uhren.

Ein weiteres längeres Projekt, das ich gerne realisieren würde, wäre eine Doku über den schon angesprochenen TAMM-Clan, der von 1999 bis 2001 bestanden hat und als eines der ersten so unglaublich dominanten Teams in Erscheinung getreten ist. Viele der TAMM-Spieler sind dann auch später erfolgreich geworden wie beispielsweise Jan ‚mooN‘ Stolle oder Peter ‚Chucky‘ Schlosser. Ein großer Aspekt ist natürlich auch die Leistung von Fatih 'gob b' Dayik, die ja unumstritten ist in der Szene und genügend Material für eine extra Dokumentation bietet. Es gibt noch einiges an Stoff, den man in Videos umsetzen könnte. Natürlich kommen aber immer wieder kleinere Videos, wie etwa die 1.6-Geschichte von karrigan, zu der ich ein Video hochgeladen habe, nachdem ihm der Gewinn des Majors in Antwerpen glückte. Ich freue mich aber immer auch über Vorschläge aus der Community.

Weitere Informationen:

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Fotos: Tobias Frey

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