Kommentar: BIG-Aus als Anfang einer hoffnungsvollen Reise

Geposted von Jerrow1337,
Nach der tragischen und knappen Niederlage gegen Team Vitality ist für BIG der Traum vom Major-Erfolg vorbei. Dennoch macht die Major-Performance mehr Hoffnung auf die Zukunft, als man im ersten Moment denken würde. Ein Kommentar. Nach einer nervenaufreibenden Niederlage gegen Team Vitality endete für BIG der Weg im PGL Major Antwerp 2022. Natürlich ist die Enttäuschung groß - sowohl bei den Spielern als auch bei den Fans. Gerade der dominante Auftritt beim PGL Major Antwerp 2022: European RMR A hatte die Erwartungen in die Höhe schießen lassen, wodurch das Ende vom Major-Traum nun umso bitterer wirkt. Doch ist das Abschneiden nicht das Ende, sondern eher ein Anfang voller Hoffnung.

Ansprüche vs. Realität



Als Debütant Karim 'Krimbo' Moussa in der letzten Runde gegen Vitality im Eins-gegen-vier-Afertplant ohne Kit stand, war die Hoffnung für die deutschen CS-Fans bereits gebrochen. Vor einer unlösbaren Aufgabe stehend, gab er dennoch sein bestes, was man in guter alter Counter-Strike und Fairplay-Manier mit "nice try" kommentieren würde. Dabei ist es vielleicht die gesamte Major-Perfomance von BIG, die man mit diesen Worten würdigen sollte.

Zu behaupten, das Team hätte die Erwartungen weit untertroffen, wäre falsch. Betrachtet man die Gegner der Legends-Stage, ging man nur gegen Imperial Esports als Favorit in die Partie, in der man diesen Status unterstreichen konnte. Angesichts der späteren Leistungsentwicklung und der Erfahrung von Gabriel 'FalleN' Toledo de Alcântara Sguario und Co. ist der solide 16:11-Sieg nicht selbstverständlich oder gar reine Formsache.

Was die übrigen drei Matches gegen FURIA Esports, Natus Vincere und Team Vitality angeht, war das Gegenüber stets der Favorit - zumindest auf dem Papier. Allesamt sind in den Top-Ten der HLTV-Weltrangliste vertreten, spielen sie sicherlich nicht ohne Grund in der Legends-Stage des PGL Majors. Wenngleich diese Niederlagen gegen NAVI und FURIA zwar bitter waren, muss man zweifellos anerkennen, dass es nicht um "Karnevalstruppen" ging, wie ein Per Mertesacker sagen würde, bevor er sich in die Eistonne legt.

Gegen einen vermeintlichen Titel-Kandidaten wie Vitality, der jedoch ausgesprochen angeschlagen in die Partie ging, war es schlichtweg der X-Faktor Mathieu 'ZywOo' Herbaut, der am Ende mit sagenhaften 93 Kills in der gesamten Series einen großen Beitrag am knappen Sieg der französischen Organisation. Gerade in solchen engen Matches kann es am Ende die herausragende Leistung eines einzigen Spielers sein, die den Unterschied macht, das honorierte Johannes 'tabseN' Wodarz im Interview nach dem Spiel.



Fehler auszumachen und auch beim Namen zu nennen, ist für eine zukünftige Performance-Steigerung essenziell. Zur bitteren Wahrheit gehört, dass man in den einzelnen Partien oft auch auf individueller Ebene unterlegen war. Oft wird dann nach einem Schuldigen gesucht, auf den mit dem Finger gezeigt wird. Das Sport selten so simpel ist, dürfte jedem klar sein und selbst wenn ein Spieler auf einer Map schlecht performt hat, ist es nur ein Teil der Wahrheit. Oft wird vergessen, dass ein Team nicht aufgrund eines Spielers ausgeschieden ist, sondern auch dank ihm überhaupt so weit gekommen ist.

Geht man jedoch ein paar Monate zurück, wäre ein knappes Scheitern in der Legends-Stage mit einer überaus denkwürdigen Partie gegen ein internatioales Top-Ten-Team alles andere als eine Blamage gewesen. Der so klare und auch überraschende 3:0-Erfolg beim RMR A war das erste Ausrufezeichen gegen den Abwärtstrend und ein großer Hoffnungsschimmer. Das Ausscheiden beim Major indes trübt das nachvollziehbar.

Ein distanzierter Blick auf das große Ganze zeigt aber, dass die Voraussetzungen von BIG beim Major nicht die optimalsten waren. Das Team ist jung, nicht nur was das Alter der einzelnen Spieler angeht, sondern auch in der aktuellen Konstellation. Josef 'faveN' Baumann ist seit fünf Monaten dabei, Krimbo seit etwa zwei Monaten. Hinzu kommt noch die Coach-Position, die Fatih 'gob b' Dayik erst seit drei Wochen inne hat.

Hinzu kommt noch der krankheitsbedingte Ausfall von faveN beim IEM Dallas Qualifier kurz vor Major-Beginn, der eine weitere kleine Unebenheit für ein reibungsloses Teamplay darstellt. Bewertet man also die Team-Performance beim Major, dürfen solche Faktoren nicht ignoriert werden. Das Team befindet sich in einer Umbruchs-Situation, in der gerade die Hinzunahme von gob b ein wegweisender Schritt für die Zukunft sein sollte.



Für die jungen Spieler faveN und Krimbo war es das erste Mal die ganz große internationale Bühne, auf der sie im Gegensatz zu den drei Routiniers nur bedingt auf Erfahrung zurückgreifen konnten. Niederlagen sind Teil des Lernprozesses und gerade Leute wie gob b und tabseN können jene Spieler anleiten, um in der Zukunft das volle Potenzial abzurufen - besonders Krimbo, dessen Talent außer Frage steht. Wichtig ist letztendlich nicht die Art der Niederlage, sondern wie man mit ihr umgeht.

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