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GamerLegion will "der einen oder anderen Organisation ein Bein stellen"

Geposted von w1zzyy,
Mit Team GamerLegion greift beim PGL Major Antwerp 2022: European RMR A ein weiteres Team einer deutschen Organisation an. Julian 'morxzas' Miculcy spricht im Interview mit 99Damage über die Ziele beim Qualifier, deutsche Spieler im CS-Team sowie die Rolle, die das Thema Coaching bei GL spielt. Wenn über Teams von deutschen Organisation beim europäischen Qualifier zum PGL Major Antwerp 2022 gesprochen wird, fallen in erster Linie Namen wie BIG und MOUZ. Mit GamerLegion ist jedoch ein weiteres Team einer deutschen Organisation mit von der Partie.

Gamerlegion geht als "Underdog" in den Regional-Qualifier


Dem europäischen Lineup gelang im letzten vierten und letzten Open Qualifier die Teilnahme am Regional-Turnier. "Deshalb ordnen wir uns natürlich klar als Underdog ein", sagt Julian 'morxzas' Miculcy, Head of eSports von GamerLeagion, im Interview mit 99Damage.

Im ersten Match am Sonntag trifft das Team rund um den schwedischen Ingame-Leader Alfred 'RuStY' Karlsson auf Fnatic. Dann kommt es auch zum Wiedersehen mit William 'mezii' Merriman, der noch vor knapp zwei Jahren bei GamerLegion spielte. Auch sonst hat sich die Organisation seit ihrer Gründung im Jahr 2017 zu einer Talentschmiede entwickelt.

GL peilt Qualifikation "entgegen aller Analysten" an


99Damage: Hi Julian, eurem CS:GO-Team ist vor einigen Wochen die Qualifikation zum europäischen PGL Major: RMR Qualifier gelungen. Welche Chancen rechnet ihr euch dort aus?

morxzas: Unser Team ist gerade im Bootcamp und ist heiß darauf der einen oder anderen Organisation ein Bein zu stellen. Das Team wird befreit aufspielen. Wir haben keinen Druck. Jeder Sieg, jede Chance dem Major ein Schritt näher zu kommen ist für uns ein wahrer Glücksgriff. Die Jungs sind hoch motiviert alles in die Waagschale zu werfen und die Qualifikation entgegen aller Analysten zu schaffen.

99Damage: Trotz dieses Erfolges scheint eure Organisation in der deutschen Szene noch relativ unbekannt zu sein. Was sind deiner Meinung nach die Gründe dafür?

morxzas: Unbekannt würde ich nicht sagen. In der deutschen League of Legends-Szene haben wir ein sehr hohes Standing, gerade auch seit dem Gewinn der DACH-Prime League vor einem Monat. Den Startschuss in unser CS-Abenteuer gaben Spieler wie „ScreaM“ und „Ex6TenZ“, aber auch die späteren NIP-Starspieler „nawwk“ und „Hampus“. Nach einigen Rosterwechseln und zeitweise vollem schwedischen Lineup fanden wir eher international als national statt.

Seit dem Frühling letzten Jahres haben wir ein konstantes Lineup, welches sich innerhalb eines Jahres von Rang 84 in die Top 30 hochgespielt hat. Seit Dezember 2021 spielt das Team konstant in den Top 30 und hatte bereits mehrere Partien gegen Sprout, MOUZ und BIG. Das Team ist national nicht vertreten, jedoch ist die Organisation in Berlin ansässig.




99Damage: Statt eines deutschen Teams habt ihr euch für ein internationales Lineup entschlossen. Warum?

morxzas: Wir haben ein europäisches Lineup mit drei schwedischen Spielern (RuStY, eraa und isak), einem rumänischen Spieler (iM) und einem slowakischen Spieler (Zero). Der Coach kommt aus Großbritannien, der Analyst aus Rumänien und der Manager aus Schweden. Das heißt: Das gesamte Team spiegelt den Zusammenhalt Europas perfekt wieder.

Es waren bereits mehrere deutsche Spieler im Gespräch, aber es ist immer an ein, zwei Punkten gescheitert. Entschieden haben wir uns tatsächlich für das Talent und gegen die Nationalität. Diese war von Beginn an zweitrangig. Zuvor waren ja auch mehrere englische Spieler dabei. Der bekannteste „Mezii“ spielt jetzt bei fnatic.


morxzas: "Mit Sprout können wir bereits mithalten"


99Damage: Auch MOUZ hat sich vor rund sechs Jahren dazu entschieden, als deutsche Organisation auf ein internationales Lineup zu setzen. Seht ihr die Mäuse als Vorbild?

morxzas: Jede gestandene Organisation dient als Vorbild. Ich war zur Zeit der „Snax“ Verpflichtung bei MOUZ als Coach ihres Rainbow Six:Siege Teams und kenne die Organisation deshalb recht gut. Ansonsten pflegen wir ein sehr gutes Verhältnis zu BIG und tauschen uns da immer gerne aus.

Beim Lineup setzen wir immer Talent vor Nationalität. Die einzige Voraussetzung ist, dass die Spieler gut englisch sprechen können. Dementsprechend gibt es dort nicht wirklich Vorbilder, unser Staff ist jedoch sehr gut im Scouting. Viele Namen, die auf unseren Listen standen, sind heute bei großen Teams, einige unserer alten Talente wurden bei uns herausgekauft.

Für uns gilt in Counter-Strike auf jeden Fall die gleiche Philosophie wie in den anderen Titeln auch. Talente scouten und mit gutem Coaching Staff verbessern. Als Top30 Team haben wir natürlich einen komplett neuen Fokus und wollen uns dort fest spielen.


99Damage: Glaubst du, dass ihr auf diese Weise einen Namen in der DACH-Szene machen könnt? Und ist das überhaupt der Anspruch?

morxzas: Wir wollen natürlich in die Top 3 der DACH-Organisation in Counter-Strike aufsteigen. Mit Sprout können wir bereits mithalten, sind aber noch nicht vor ihnen. Mouz war eine kurze Zeit sogar hinter uns, BIG wird auf lange Zeit das beste deutsche Lineup stellen. Ob sie beide aber auch langfristig die besten deutschen Organisationen bleiben, das weiß ich nicht. Wir wollen dort natürlich angreifen.

99Damage: Sind deutsche Spieler in eurem CS:GO-Team denkbar?

morxzas: Jederzeit! Sie standen auch mehrfach auf unserem Zettel und es gab auch mehrere Tryouts. Ich würde gerne Namen nennen, aber zwei Wunschkandidaten sind jetzt in anderen Top-Teams. Da müssen wir uns leider noch unterordnen.

morxzas: "Wechseln nicht ständig das Roster"


99Damage: Blicken wir einmal weg von CS:GO: Auf eurer Webseite ist zu lesen: "GamerLegion vereint eSport und Coaching in einem". Wie ist das zu verstehen?

morxzas: Im Gegensatz zu allen anderen eSports-Organisationen haben wir unseren Unternehmens-Ursprung im Coaching. Das heißt konkret: Wir bieten professionelle Nachhilfe beim Zocken in fast allen großen eSports-Titeln an. Unsere 2017 gegründete Plattform „gamerlegion.gg“ weist heute über 40 professionelle und geprüfte Trainer auf, die für ein persönliches Coaching gebucht werden können.

Aus dieser Position heraus war der Einstieg in den eSport der nächste logische Schritt. Der Fokus auf das Coaching ist dort aber omnipräsent. Wir als Organisation wechseln nicht, wie bei vielen anderen Teams üblich, ständig das Roster, sondern versuchen mit dem bestehenden Stamm an Spielern möglichst erfolgreich zu sein – und deshalb vereinen wir Coaching und eSport in einem.




99Damage: Im Jahr 2018 habt ihr euer eigenes League of Legends-Team gegründet. Warum wurde zu Beginn ausgerechnet auf dieses Spiel ausgesucht?

morxzas: Die Coaching-Plattform war zu dieser Zeit größtenteils mit League of Legends Wissen gefüllt. Damit fiel der Einstieg in League of Legends natürlich einfach. Außerdem ist League of Legends sehr einsteiger- und sponsorenfreundlich. Ganz abgesehen davon ist LoL in Deutschland der am meisten geschaute eSport. Da kurz danach aber bereits weitere Spiele dazu kamen, war LoL nur der Startschuss.

99Damage: Welche anderen Teams spielen noch unter der Flagge von GamerLegion?

morxzas: Zusätzlich zu unserem Top30 Counter-Strike Team sind wir aktuell der DACH-Meister der Prime League in League of Legends. Mit dem Age of Empires Team haben wir einen Klassiker der Strategie-Spiele an Board. Dort stellen wir das beste Team der Welt und haben mit „TheViper“ den erfolgreichsten Spieler überhaupt in unseren Reihen.

Komplettiert wird das Quartett mit unserem jungen Tekken7 Spieler „Tetsu“, der in letzter Zeit mehrere internationale Titel gewonnen hat und als einer der zwei besten Spieler in Deutschland zählt.


GamerLegion will mit Coaching langfristig in die Spitze


99Damage: Das LoL-Team hat in diesem Jahr habt, nach zwei dritten Plätzen in den vergangenen beiden Jahren, die Prime League gewonnen. Eine Entwicklung, die sich abgezeichnet hat?

morxzas: Das erste Jahr der Prime League war für uns lange das erfolgreichste, wenn ich an die jeweils dritten Plätze und die dazugehörige Qualifikation zu den EU Masters bis hin zum verlorenen Finale zurückdenke. Wir waren 2020 ganz oben in Europa und haben dann leider 2021 den Schritt verpasst dies zu zementieren. 2022 haben wir einen kompletten Neustart hingelegt, zusammen mit dem Coach „Noxiak“ haben wir viel Zeit in die Offseason gesteckt und frühzeitig Talente gescoutet und getestet.

Das wir in der ersten Saison mit zwei Rookies so einen erfolgreichen Run starten, Rekorde sammeln und dann letztendlich noch den Titel holen, damit hat wohl keiner gerechnet. Verdient war der Erfolg alle Male, nun müssen wir zeigen, dass wir aus den Jahren zuvor gelernt haben und weiterhin hungrig bleiben.


99Damage: Welche Rolle spielt ein solcher Titelgewinn für die weitere Entwicklung von GamerLegion und die Etablierung in der Szene?

morxzas: Der Titel setzt uns mit den anderen Titelgewinnern auf eine Stufe. Etabliert waren wir davor bereits, jedoch waren wir ein bisschen wie „Vizekusen“, ewiger Dritter, nichts gewonnen und immer Mit-Favorit. Das hat sich diesen Split natürlich (zum Glück) geändert. Nun müssen wir weiterhin gute Arbeit leisten, um uns weiter in die Herzen der Fans zu spielen und ein gutes Gegenstück zu den anderen Organisation zu sein.



99Damage: Was ist die Vision von GamerLegion?

morxzas: Unsere Vision im eSport unterscheidet sich im Kern glaube ich nur wenig von der anderer Organisationen – wir wollen den maximalen Erfolg mit unseren Teams. Wichtig ist dabei, dass wir unser Standing als Talentschmiede nicht verraten, weil das Verbessern und Weiterentwickeln von Spielern tief in unserer DNA verankert ist. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem Coaching-Fokus langfristig den Weg in die Spitze packen werden.

99Damage: Noch ein wenig zu dir selbst: Wie bist du zum eSport und letztlich zu GamerLegion gekommen?

morxzas: Meinen Einstieg in den eSport fand ich bereits am Anfang der 2000er Jahre mit dem Dauerbrenner Counter-Strike. Damals bin ich mehrfach semi-professionell in den ESL Amateur Series unterwegs gewesen und habe natürlich viel mit Freunden gespielt. Starcraft, Warcraft sowie sämtliche Counter-Strike Teile gehörten zu meinem Repertoire. Der Durchbruch gelang mir aber erst im Jura-Studium als Rainbow Six:Siege 2015 herauskam. Dort konnte ich direkt mit der Elite mithalten und habe mich dann für eine Coaching Laufbahn entschieden.

Als Co-Kommentator (Analyst) für UbisoftDE sowie als Coach für PkD, MOUZ und einigen anderen Teams habe ich die ersten professionellen Schritte im eSport getätigt. Professionell heißt, dass ich davon meinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Die Coaching-Leidenschaft verband mich direkt mit GamerLegion, die mich vorerst angefragt hatten als Coach auf der Coaching-Plattform zu fungieren. Der Fit war sehr fruchtbar und Ende 2019 begann meine Reise bei GL.

In den Posten als Head of Operations und vor allem Head of eSports bin ich über die Zeit hineingewachsen. Seit Ende 2020 tragen alle eSport-Teams von uns meine Handschrift. Das ist gleichzeitig Glückseligkeit, aber auch immenser Druck den maximalen Erfolg herauszuholen. Die Mammutaufgabe ist jedoch, alle Spiele, die von mehreren Teams gleichzeitig erfolgen, gucken zu können.


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